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Abgeschlossenes Sperrlager


Autor Nachricht
Verfasst am: 06. 05. 2014 [14:42]
StephanJM
Stephan Janssen-Melcher
Themenersteller
Dabei seit: 23.11.2012
Beiträge: 3
Hallo,

das leidige Thema "Abgeschlossenes Sperrlager" läßt uns nicht los....

Folgende Situation:
Prozessaudit in einer Produktion die als reine "verlängerte Werkbank" aufgebaut ist und lediglich einen Kunden hat: die eigene Weiterverarbeitung an einem anderen Standort. Es ist eine Sperrfläche eingerichtet, deutlich gekennzeichnet und mit einer Kette umrandet, Bestandsliste mit Ein- und Auslagerungsdatum, Stückzahlen etc. wird direkt am Sperrbereich ordentlich geführt.
Als Abweichung zu P6.2.5 wurde notiert, dass das Sperrlager nicht abschließbar ist mit dem Hinweis, dass der unbefugte Zugriff nicht ausgeschlossen sei.
Letzerem stimme ich zu, der Zugriff ist nicht 100%ig ausgeschlossen. Probleme hab ich aber mit lediglich 4 Punkten bei der Bewertung, zumal alle anderen Forderungen aus diesem Punkt erfüllt sind (ist auch im Auditbericht dokumentiert).

Wir haben als Auditoren auch gelernt, bei den Feststellungen und Bewertungen das Produkt- und Prozessrisiko zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund, dass wir nicht über sicherheitsrelevante Teile wie Airbag-Komponenten sprechen und bei der Weiterverarbeitung fehlerhafte Teile auffallen würden, halte ich dies aber für eher unkritisch. All die Argumente zählten im Audit nicht und das Ergebnis haben wir erst einige Tage nach dem Audit bekommen, jetzt gehen die Diskussionen los'icon_evil.gif'

Wie sehen Sie / seht ihr das? Was sind die Erfahrungen der hier im Forum aktiven?

Danke vorab für einige Meinungen und Kommentare!

Stephan


Verfasst am: 22. 05. 2014 [12:24]
Harry51
Harry Hiß
Dabei seit: 19.02.2013
Beiträge: 3
Hallo,
ich denke das der Punkt deutlich überbewertet wurde. Wenn der Bereich deutlich gekennzeichnet und mit einer Kette umschlossen ist sollte dies ausreichen. Der Knackpunkt ist doch der eventuelle umbefugte Zugriff.

Wir (Automobilzulieferer) haben ein abgeschlossenes Sperrlager sowie in jedem Produktionsbereich einen roten Sperrwagen für Kleinteile aus der Produktion. Die Mitarbeiter sind unterwiesen, fehlerhafte Teile mit einem Gesperrt Aufkleber zu kennzeichnen und auf diesem Ausschusswagen, der offen ist abzulegen. Jeder Mitarbeiter hat in der Unterweisung "Lenkung fehlerhafte Produkte" unterschrieben das er dort keine Teile entnehmen darf. Einmal am Tag wird der Ausschusswagen zum Sperrlager gebracht und dort geleert. (Erfassung Ausschussmenge und Fehlerart). Bisher hatten wir keine Probleme mit diesem Verfahren, auch nicht im Kundenaudit durch VW.

Vielleicht könntet ihr eure Teile bei der Ablage Sperrfläche zusätzlich unbrauchbar machen, z.B. Farbspühdose oder mechanisch beschädigen um Verbau auszuschließen.

Harry

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.05.2014 um 12:25.]
Verfasst am: 05. 10. 2015 [16:15]
Birkkb
Kai Birkert
Dabei seit: 05.10.2015
Beiträge: 2
Hallo zusammen,

ich suche die Definition zum Sperrlager. Kann mir jemand weiterhelfen?

Danke im Voraus & Grüße
Verfasst am: 06. 10. 2015 [11:18]
walram
wolfgang alram
Dabei seit: 02.07.2013
Beiträge: 16
Hallo,
das Wort Sperrlager ist in Q-Normen/Standards nicht "offiziell" definiert.

Sollten Sie dieses Wort in Ihrem Unternehmen nutzen, schlage ich vor dass Sie es in Ihrer VA definieren.

z.B. Sperrlager: speziell geschlossener Bereich in diesem auffällige Produkte bis zu Klärung gelagert werden. Gesamtverantwortung in diesem Bereich ist die lokale QS.


Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Alram
Verfasst am: 06. 10. 2015 [11:25]
Birkkb
Kai Birkert
Dabei seit: 05.10.2015
Beiträge: 2
Hallo,

... danke für die Info und den Tipp.
Das bestätigt meine Recherche. Gute Idee mit der VA

Viele Grüße

Birkkb
Verfasst am: 16. 01. 2017 [14:03]
friese
Dieter Joachim Friese
Dabei seit: 24.07.2013
Beiträge: 2
Grundsätzlich gebe ich meinem Kollegen Wolfgang Alram recht.

Im neuen VDA Band 6.3, Ausgabe 3, Dez. 2016 steht unter Punkt 6.2.4* geschrieben:

Sperrlager und Sperrrbereiche müssen eindeutig erkennbar sein.
Eine unabbesichtigte Verwendung der gesperrten Teile muss ausgeschlossen sein.

Von abgeschlossenen Bereichen ist definitiv keine Rede.
Ich empfehle folgende Vorgehensweise (manifestiert in einer Arbeitsanweisung oder Prozess):

Hinter der jeweiligen Produktionslinie einen Sperrbereich.
Danach sollte ein QS-Mitarbeiter die tägliche Entscheidung treffen ob Teile nachgearbeitet werden können oder nicht.
Nacharbeitbare Teile sollten nachbearbeitet und anschließend von einem QS-Mitarbeiter freigegeben werden (Gesonderter Prozess).
Nicht nacharbeitbare Teile sollten in ein geschlossenes Lager tranferiert werden um wirklich eine unbeabsichtigte Verwendung auszuschliessen.
Ich habe schon erlebt, dass Werkleiter oder gar der Firmeneigentümer ohne Erlaubnis der QS n.i.O. Teile ausgeliefert hat.
Wenn dann Beanstandungen vom Kunden folgen ist eine Rückverfolgung nicht mehr möglich.

Als Prozessauditor nehme ich natürlich die lockere Auslegung des neuen VDA-Band 6.3 als Bewertungsgrundlage jedoch erzähle ich von meinen Erfahrungen.

Mit freundlichem Gruß,
Dieter Joachim Friese